Monatsarchiv: April 2008

Das literarische Quartet (mit Horst Reich-Wichmann)

Diese Woche:

Cormac McCarthy: „Die Straße“ (The Road), 2008

Überraschung: Nachdem in der Schweiz der Teilchenbeschleuniger angeworfen wurde, ist die Welt zwar nicht untergegangen, aber sie fand sich unter einer massiven, die Sonne verdunkelnden Ascheschicht wieder. (Dies ist jedenfalls meine Erklärung für das Szenario, welches sich dem Leser am Anfang des Romans darstellt)

Die Welt, in der „der Mann“ mit seinem Sohn und seinem Einkaufswagen unterwegs ist, ist zwar nicht mehr die selbe, wie wir sie heute kennen, aber sie ist immerhin hübsch aufgeteilt in „die Guten“ und „die Bösen“. Leider bekommt man Letztere weit häufiger zu sehen, als die Guten. Der einzige Grund morgens überhaupt noch aufzustehen und weiter zu ziehen besteht in der Notwendigkeit zu überleben. Der Winter, der langsam über das nunmehr staatenlose Amerika hereinbricht zwingt die Menschen, nach Süden zu ziehen, um nicht zu erfrieren, gleichzeitig entbrennt jeden Tag aufs neue der Kampf um die wenigen Lebensmittel, die noch zu finden sind. Last but not least muss man jeden Tag aufstehen, um nicht von den nicht weniger ausgehungerten „Bösen“ gefunden und verspeist zu werden.

Der Roman liest sich tatsächlich wie ein einziger Alptraum. Eine Welt, in der kein einziges Gesetz mehr gilt und in der man sich Empathie und Mitleid um des eigenen Überlebens willen nicht mehr leisten kann ist die Bühne auf der die Frage verhandelt wird, was ein Leben überhaupt noch wert ist in einer Welt die sogar noch hinter die Barbarei zurückgefallen ist.

Endzeit-Utopien sind natürlich nicht jedermanns Sache, aber es sei gesagt, das „die Straße“ nichts von Al Goreschem Ökopopulismus enthält (die Ursache für den lebensfeindlichen Zustand der Welt wird bewusst im Vagen gehalten) und auch „The Day After Tomorrow“ ist mit dem Roman überhaupt nicht zu vergleichen. Vielmehr ist das durch die Katastrophe bedingte Fehlen zivilisatorischer Werte und Normen die Grundvorraussetung für die Frage nach dem existetiellen Wert des Lebens. Was ist der Mensch noch, wenn er gleich einem Tier sich vor seinen Artgenossen verstecken und sich auf die Suche nach Nahrung machen muss. Um mal philosophisch zu fragen: Ist eine Rückkehr in den rousseauschen Naturzustand, in dem angeblich alle in Frieden leben überhaupt noch möglich, nachdem man einmal den Zustand der Zivilisation erlebt hat? McCarthy würde das sicher verneinen.

Leseprobe:

„Er ging ein paar Stufen der primitiven Holztreppe hinunter. Er zog den Kopf ein, zündete dann das Feuerzeug an und schwang die Flamme wie eine Opfergabe in die Dunkelheit hinaus. Kälte und Feuchtigkeit. Ein fürchterlicher Gestank. Der Junge klammerte sich an seiner Jacke fest. Er konnte ein Stück von einer Steinmauer sehen. Gestampfter Lehmboden. Eine alte, dunkel verfleckte Matratze. Er duckte sich, machte noch ein paar Schritte hinunter und hielt das Feuerzeug vor sich. An der hinteren Wand kauerten nackte Menschen, Männer und Frauen, die sich allesamt zu verstecken versuchten und mit den Händen die Gesichter beschirmten. Auf der Matratze lag ein Mann, dem beide Beine fehlten und die Stümpfe waren geschwärzt und verbrannt. Der Geruch war entsetzlich.

Mein Gott, flüsterte er.

Dann drehte sich einer nach dem anderen um und blinzelte in das erbärmliche Licht. Hilf uns, flüsterten sie. Bitte hilf uns.

Mein Gott, sagte er. O mein Gott.

Er dreht sich um und packte den Jungen. Beeil dich, sagte…“

Ein durchweg hoffnungs- und gnadenloser Roman, dessen Lektüre kein Vergnügen ist, jedoch nachhaltige Wirkung zeigt (zumindest bei mir). Ich möchte euch das Buch sehr empfehlen und werde euch bald mit meiner Rezension von „Kein Land für alte Männer“ (No Country for old men) erfreuen, denn von diesem Autor muss ich unbedingt mehr lesen!

Expressrunde!

1. Mai ist ja schon diese Woche und es ist noch keine großangelegte Kuscheleckenalkoholexkursion durchdacht!

Vorschlag: Köln, schlechtes Wetter: Mario Kart und Bier / gutes Wetter: Grillen und Bier

Kommentare, Einschreibungen, Gegenvorschläge?!

Stasi 2.0??

Warum ist Inge nicht mehr im studiVz, Inge?

schwarzes loch (kein porno)

info zur nerdiskussion von gestern abend: abendblatt.de/daten/2008/04/19/871169.html

[juhu, habe es tatsächlich nicht geträumt, dass wäre wieder peinlich gewesen…]

jaja, „immer was zu tun“

in einer filiale einer großen heimwerkerutensilienvertriebskette, irgendwo im ruhrgebiet:

ein student steht planlos vorm hochregal mit allerlei abfluss/zufluss/wieauchimmer-rohren und grübelt so vor sich hin.

auftritt: übermotivierter angestellter

tüp: kann ich ihnen irgendwie helfen?

student: ich möchte ’nen roboter bauen und überleg grad welchen durchmesser die rohre wohl bräuchten um als skelett vonne statik her zu funktionieren und vonne proportionen her gut auszusehen und am besten dabei nix kosten. ’nen tipp?

tüp: …also das sind abwasserrohre. die orangen da. von funke. 100er durchmesser. das ist… standard?

student: günstig auch!

tüp: ja…

suche blitz

für eine canon eos dslr.welcher ist zu empfehlen? wieviel kostet sowas gebraucht/neu? muss man unbedingt einen von canon nehmen? dass ist doch alles so teuer!

…nachträglich

alles gute zum geburtstag, kuscheleckenblog!

(also jetzt insgesamt so mit dem ersten 2.0er und so… weißtebescheid.)